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Anna Delvey – Ein Vermögen, eine Hochstaplerin, eine Lüge

Aktualisiert: vor 2 Tagen

“A Fake Heiress Called Anna Delvey Connected the City´s Wealthy.”
„Anna Delvey: Die Unkaputtbare“

von Sophie Seo



Bild: Sophie Seo
Wer ist Anna Sorokin?

Anna Sorokin, auch genannt Anna Delvey, führte als Fake-Millionärin die Superreichen und Banker New Yorks an der Nase herum. Mit einer simplen und doch verstrickten Lügengeschichte trieb sie sich in der New Yorker Reichenszene herum, gab ein Vermögen für Markenkleidung aus und verbrachte Monate in Luxushotels – ohne Geld zu besitzen.

Wer ist diese Anna Delvey in Wahrheit und warum fielen so viele auf die Lügen der 23-Jährigen rein?

Eine kurze Abhandlung über Immobilien, Hotelaufenthalte und Markentaschen.


Die kleine russischstämmige Anna Sorokin saß des Abends zuhause und blätterte durch Modezeitschriften, Klatschblätter und Promi-Literatur. Glitzernde Palliettenblusen, strahlendweise Zahnreihen und glänzende Motorhauben sprangen ihr aus jeder Seite förmlich entgegen. Eine Welt so ganz anders als ihre, die sie aus eher normalen, finanziell unauffälligen Verhältnissen kam. Und doch hatte dieses Leben der anderen in Glanz und Glamour etwas Faszinierendes und für die junge Anna Sorokin äußerst Anziehendes.

Vertieft in Popcorn-Magazinen, Prada, Chanel und Co bekam sie schon bald den richtigen Riecher für Mode, für die angesagtesten Stilettos, die schickste Lederhandtasche und die gewagteste Sonnenbrille.


Mode studieren und ab in die Reichenszene

Somit begann Sorokin kurzerhand ein Modestudium an einer renommierten Uni in London. Zwar währte ihr Studentendasein nicht lange, da sie schon früh das Studium abbrach, dennoch hatte sie etwas über Trend, Luxustextil und Eleganz gelernt, dass sich schon bald auszahlen sollte. Ihre Neueinstellung bei einem Pariser Modemagazin ebnete ihr auf Modeschauen den Weg in die französische Reichenszene.

Auf ein Angebot ihres Chefs hin, besuchte Anna Sorokin in New York eine Modenschau, trieb sich aber in der Millionenstadt auf diversen Partys für Reiche rum.

Von da an waren Vichy, Gucci und Dior nicht mehr nur ein bunter Druck in ihren Klatschblättern, sondern waren zum Greifen nah.

Dabei darf man nicht vergessen, dass sich Sorokin nun zwar in den entsprechenden Kreisen aufhielt, reich war sie aber keineswegs. Und trotzdem hatte Anna Sorokin nun das nach Gold und Glamour schmeckende Blut der Societé Amerikas geleckt, und fing schlagartig an, anderen Leuten zu erzählen, dass sie – Anna Delvey – Erbin einer reichen Familie in Deutschland wäre.


Bild: Sophie Seo

Wer glaubt denn sowas?!

Na ja, Anna konnte durch ihr elegantes Auftreten mit teurer Markenkleidung und ihr weitreichendes Wissen über Kunst und Mode aus Studienzeiten überzeugen.

Dazu fehlte nur eine Handvoll Arroganz, eine Prise mysteriöser Distanziertheit und das passende überhebliche Lächeln, das viele so attraktiv fanden und den Wunsch nach einer engen Freundschaft erweckte.

Diesem ausschweifenden Lebensstil folgend, hörte Delvey eines Tages vom Verkaufsangebot einer berühmten Kirche, was unmittelbar ihr Interesse weckte.


Die Anna Delvey Foundation

Den Leuten erzählte sie, dass sie das Gebäude umbauen wird und daraus eine „Anna Delvey Foundation“, einen Ort mit einem Restaurant, Hotelzimmern und Kunstausstellungen, machen wird. Das Vorhaben sei natürlich schon im Gange, so Anna Delvey während sie betont gelassen auf ihre bunten Kunstnägel schaute, obwohl sie die Kirche noch nicht einmal gekauft hatte.

Großspuriges Auftreten und unwahrscheinliche Versprechungen ja schön und gut. Aber wie kauft man denn jetzt tatsächlich eine Kirche, wenn man kein Geld hat?

Man geht zur Bank. Und genau das tat Anna Delvey. Sie versuchte also promt, mehrere Milliarden Dollar zu leihen. Trotz ihres selbstbewussten Auftretens als “vermögende deutsche Erbin” scheiterte die Russischstämmige aber, da sie nicht beweisen konnte, dass sie tatsächlich Unsummen erben würde. Bei der nächsten Bank trug ihre Überzeugungsarbeit aber Früchte, jedoch sollte sie 100 Millionen auf dem Konto haben, um das Darlehen annehmen zu können.

Woher nimmst du plötzlich 100 Millionen Dollar?

Anna Delvey ging zur ersten Bank zurück und sagte, dass die Bank mit ihrem Finanzmanager in der Schweiz sprechen könnte, damit sie das Geld für das Verfahren bekommen könnte. Mit dem Geruch des Geldes in der Nase, ging die 23-Jährige sogar soweit, eine falsche Email-Adresse ihres sogenannten “Schweizer Finanzmanagers” zu erstellen und telefonierte sogar selbst mit der Bank, indem sie ihre Stimme per App veränderte.

So bekam Anna Delvey das benötigte Geld. Jedoch waren die Bänker und Finanziers skeptisch bei der jungen Frau geworden und ließen sie so bald nicht mehr aus den Augen. Daher sah sich die Reiche auf dem Papier kurz darauf gezwungen, das Darlehen und die Kirche aufzugeben.

Die 100 Millionen aber verprasste sie in verschwenderischer Manier für Markenkleidung und Luxushotelbesuche aus. Nun hielt sie den Schlüssel zu Putz, Pracht und paradiesischer Verschwendung förmlich in den Händen. Soweit hatte es Delvey also schon geschafft: Aus nichts hat sie in einem Wahn und Geifer nach Reichtum und Komfort ein kleines Vermögen zurechtgelogen.

In einem besonders prunkvollen Hotel, dessen Angestellte sie mit dreistelligen Trinkgeldbeträgen versorgte, wurde sie schnell liebgewonnen. Auch die Angestellte Neff und Rachel, eine Mitarbeiterin eines Modemagazins, sind bald zu Sympathisanten Delveys geworden.


Monatelanges Verprassen ohne einen Penny

Nach monatelangem Verprassen, förmlichen Um-sich-Werfen mit Geld und trotzdem unbezahlten Hotelübernachtungen wurden die Angestellten aber doch skeptisch gegenüber der “Neureichen”, unruhig und bewegten Anna dazu, die Schulden zu begleichen – und zwar mit erneuter Überzeugungsarbeit bei der Bank.

Schließlich fand Anna Delveys gönnerisches Luxusdasein ein jähes Ende als sie nach einer Kreditkarte gefragt wurde. Schließlich war ihr erlogener Reichtum von der Bank nur geliehen –  ihr selbst gehörte nach wie vor kein Penny.

Mit Neff und Rachel im Schlepptau ließ Delvey kurzerhand ihr “guten Freundinnen” für ihr gesinnungsloses Geldausgeben bezahlen. An dem Punkt bröckelte die Überzeugungskraft Delveys.

Das Image von Geld, das sie nie besaß, Freundinnen, die vielmehr Delveys Reichtum folgten als ihrem Herzen und einer auf Lügen aufgebaute Fassade als Superreiche brach abrupt in sich zusammen und führte Anna Sorokin hinter Gitter.

Ein jähes Ende von einer sich langsam aufgebauten Fabel von Geldgier, Prestigehunger, Aufstieg und Anerkennung.


Doch fragen wir uns nach so einer Geschichte, wie um alles in der Welt es der Betrügerin Anna Sorokin gelang, so viele in ihr Lügennetzwerk zu verstricken über Monate hinweg Geld auszugeben, das sie nicht besaß?

Weder freundlich noch charmant

Einige, die Anna Sorokin kannten, beschrieben sie als weder besonders hübsch, noch besonders freundlich oder charmant.

Wie konnte sie sich also zwischen die vielen reichen New Yorker schmuggeln?

1.       Kleidung: Ihr Modestudium und ihre langjährige Erfahrung beim Modemagazin bereitete sie perfekt auf den Auftritt als Superreiche vor. Kleidung machen Leute – das, was wir tragen beeinflusst maßgeblich, wie uns andere Menschen wahrnehmen. Durch eine teure Garderobe verkaufte sie sich als überzeugende Gucci-Kennerin und erfahrene Prada-Trägerin.

"Anna kannte schon alle berühmten Restaurants in New York. Nicht nur das: Sie kannte sogar die Namen der Angestellten und des Besitzers!"

2.       Verhalten: „Anna kannte schon alle berühmten Restaurants in New York. Nicht nur das: Sie kannte sogar die Namen der Angestellten und des Besitzers!“, sagte Neff, Freundin und unfreiwillig spendable Finanzerin Anna Delveys Hotelaufenthalte. Diese wusste über alles Bescheid, das mit dem Leben der Reichen zu tun hatte. Keiner wusste, wer Sorokin wirklich war, aber man konnte sich immer gut mit ihr über Weinsorten, Modezeitschriften und das Promileben unterhalten.

Seit ihrer Kindheit las Delvey Klatschblätter über Promi-Gossip, Zeitschriften über die teuersten Blusen der Welt und Bücher über die reichsten Autofirmen weltweit.

3.       Umgang mit Geld: Hier ein zugesteckter 100-Dollar-Schein, dort ein Geschenk mit 4-stelligem Preis. Anna gab sich als verschwenderische Gönnerin zu erkennen. Was zuerst wie ein großzügiges Trinkgeld wirkte, resultierte schon bald mit einem Augenzwinkern in einer schamlosen Bestechung diverser Hotelangestellter. Sogar an einem privaten Fitnesstrainer sollte es nicht fehlen. Selbstsicher manövrierte sie ihr erlogenes Vermögen in Bahnen, die alle glauben ließ, dass sie tatsächlich eine von den Superreichen sei.

So sollte Anna Sorokin, aka Anna Delvey, als eine der größten oder gewieftesten zeitgenössischen Betrügerinnen in die Geschichte eingehen. Dabei ist diese noch gar nicht abgeschlossen.

Noch heute lebt Anna Sorokin und wer weiß, was sie im Luxuswahn nicht noch alles geplant hat...


Bild: Sophie Seo

 

 

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