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Fantastisches Schreiben präsentiert: "Lotus"

Aktualisiert: 3. Dez. 2023

Erzähl uns eine Geschichte...

von Enna Bluews


"Lotus"


Bild gestaltet von enna bluews





Prolog




Hallo, ich bin Terani Tai. Ich war ein normales Mädchen - bis zu dem Augenblick als ich keines mehr war. Ich war frei, in der Welt, die ich mir immer gewünscht hatte. Ich war allein und verloren, doch eines war ich nicht, schwach! Ich lernte vieles - und am wichtigsten - ich fand heraus, wer ich sein wollte! Lotus, ein Mädchen, das anderen half, wenn sie in Not waren! Doch bis dieser Moment gekommen war, war ich ein normales Mädchen, auf einer normalen Schule und mit einem normalen Leben. Auch wenn ich gefühlt schon immer etwas anders als die Anderen war, aber ich denke mir da nur eines: Jeder ist besonders, einzigartig und außergewöhnlich!




Kapitel 1: Die neue Welt




Der Morgen war wie jeder andere und nach der Schule kam ich wie so oft mit auf die Arbeit meiner Eltern. Ihr müsst wissen, meine Eltern arbeiten in einem Biochemie-Labor. Sie sind Wissenschaftler bei der WBCO, was bedeutet: Wissenschaftliche Biochemie Organisation. Da meine Eltern im Labor arbeiten, haben sie oft keine Zeit mich abzuholen, und wenn ich nach Hause gehen würde, könnte ich vielleicht sogar über vier Stunden alleine zu Hause bleiben. Das trauen mir meine Eltern noch nicht zu, also muss ich fast immer nach der Schule ins Labor gehen, um auf meine Eltern zu warten. Zum Glück war meine Schule nicht so weit weg und ich musste nicht länger als zehn Minuten laufen.


Ich setzte mich wie immer auf einen freien Platz in der Eingangshalle. Manchmal lief hier irgendwo ein anderes Mädchen mit roten Haaren rum, doch das war heute wohl nicht hier. Außerdem hatte ich es noch nie angesprochen und auch wenn ich sie oft hier herum laufen sah, war es so als würde sie mich immer übersehen und in ihrer komplett eigenen Welt stecken. Aber was sollte mich das interessieren? Ich musste ja Hausaufgaben machen und außerdem waren die einzigen spannenden Sachen in diesem Gebäude die Experimente und das große Labor, doch in das durfte ich nicht rein.


Ich hatte gerade meine Hausaufgaben raus geholt, als ich meine Mutter aufgeregt aus einem Fahrstuhl auf mich zu laufen sah. Sie hatte ihre Arbeitskleidung an, was bedeutete, dass sie nicht da war, um mich abzuholen.


Ach ja, meine Mutter war schon eine irgendwie besondere Person. Sie hatte meinen Vater auf einer Reise nach Indonesien kennengelernt und sie haben schon nach drei Jahren geheiratet. Das muss ihr schönster Tag aller Zeiten gewesen sein. Sie hat mir nämlich viele Fotos gezeigt. Damals sah sie perfekt aus, doch jetzt waren ihre strahlend blonden Haare zerzaust und ihr Kittel zerknittert. Sie schaute mich mit funkelnd blauen Augen an und kam direkt auf mich zu! Dann sprach sie mich an: „Weißt du was, ich habe lange nachgefragt und irgendwann haben sie 'Ja' gesagt.“ Sie nahm meine Hausaufgaben und stopfte sie in meinen Rucksack. Doch ich verstand immer noch nicht, was hier los war. Was hatte sie nachgefragt und worum ging es überhaupt? Und dann redete sie einfach weiter. „Du darfst mitkommen und zuschauen! Wir machen heute ein ganz großes Experiment, für das wir schon ewig arbeiten. Du musst zwar hinter eine Absperrung, aber das wird trotzdem eine tolle Aktion.“ Als erstes war ich sprachlos, doch als ich merkte, was grade passiert war, zog mich meine Mutter auch schon hinter sich her. Ich konnte gerade so noch meinen Rucksack packen und mich so fangen, dass ich nicht nach vorne umkippte. Der Weg war lang und zum Glück gab es einen Fahrstuhl, denn das Labor, in dem meine Eltern forschten, lag im elften Stock, was zufälligerweise auch das oberste Stockwerk war. Als wir ankamen, brachte mich meine Mutter hinter eine Schutzscheibe oder eher in eine Art Kabine, in der ich mich einrichtete. Erst wurde alles vorbereitet, so das die insgesamt sieben Wissenschaftler, darunter meine Eltern, anfangen konnten. Doch bis zu diesem Zeitpunkt dauerte es noch eine Viertelstunde, weswegen ich mir auf meinem Handy Musik anmachte. Doch als es endlich begann, war ich sofort dabei und beobachtete erstaunt, was die sieben Personen für unterschiedliche Aufgaben hatten und wie sich das auf das große, grüne, glühende Etwas in der Mitte des Raumes auswirkte. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was das überhaupt war und worum es in diesem Projekt überhaupt ging, doch es war, auch wenn man all das nicht wusste, sehr spannend. Es war so grün wie die Natur selbst, es glitzerte so schön wie das Meer bei einem Sonnenaufgang und immerzu funkelte es so hell wie der hellste Stern des Universums!


Langsam passierte auch etwas. Es wurde immer wieder größer und dann wieder kleiner. So wie Wellen. Ich fühlte irgendwie, dass es stärker wurde, als ob es ein Bewusstsein hätte. Aber das konnte doch nicht sein? Auf einmal riss mich ein rotes Licht und diese schrecklich lauten Töne aus meinen Gedanken. War das ein Alarm und wenn ja war er wichtig für mich oder nur eine Probe? Doch die Wissenschaftler schienen beunruhigt. Also packte ich schnell meine Sachen zusammen und nahm meinen Rucksack. Doch so oft ich auch versuchte die Tür zu öffnen, es klappte nicht. Ich wusste nicht mal, wie sie genau zu öffnen war, sie hatte einen so komischen Griff. Da sah ich meine Mutter auf die Tür zu kommen. Sie sah entsetzt und ängstlich aus. Durch eine kleine Luke in der Tür versuchte sie mich zu beruhigen: „Keine Angst, bleib ruhig, ich hole dich hier raus und dann musst du so schnell wie möglich laufen. Lauf so weit weg wie nur möglich und vergiss uns bitte, bis du in Sicherheit bist!" „Aber was ist hier überhaupt los?", fragte ich mit panischer Stimme. Mir kamen schon die Tränen, weil ich wusste, was meine Mutter damit meinte. „Ich werde euch doch nicht einfach hier lassen", schrie ich! Doch als sie die Tür endlich offen hatte, kam mein Vater und flüsterte meiner Mutter etwas ins Ohr. Was das genau war, weiß ich bis heute nicht, aber meine Mutter handelte schnell und schubste mich ohne ein Wort wieder zurück in die Kapsel. Ehe ich mich versah gab es eine Art Explosion, und eine gewaltige Schallwelle folgte. Das Glas der Kapsel zersprang, und es ging alles so schnell! Ich sah nur noch, wie meine Mutter zu Boden sank. Ich rannte zu ihr und merkte schon, dass auch mir leicht schummrig wurde. Ich hörte meine Mutter etwas flüstern. Ich bückte mich zu ihr. „Egal, wo du dann bist, egal wer du dann bist und egal, wie du dich dann verändert hast, ich weiß, du wirst die Wahrheit finden, denn du bist stark, und dafür lieben wir dich!" Das waren die letzten Worte, die ich von meiner Mutter hörte. Ich fing an zu weinen, doch dann merkte ich, dass mir schwindelig wurde, und auch ich fiel zu Boden. Das letzte, was ich sah, war ein grün schimmerndes Licht, das sich um mich legte. Dann wurde alles schwarz!


Als ich wieder zu mir kam lag ich in einer Pfütze und die Sonne kitzelte in meinem Gesicht. Vor mir war eine wunderschöne Blüte. Ich glaube, es war eine Seerose. Ich sah mich um, und überall, wo ich hinsah war Natur und Leben. Das ganze Labor war zerstört und im Chaos, doch es war auch wunderschön. Alles war mit Pflanzen überwuchert. Die meisten kannte ich nicht einmal. Dort, wo das Experiment gewesen war, stand nun ein riesengroßer, majestätischer Baum, der mindestens so groß wie das gesamte Haus war. Seine Wurzeln wuchsen fast überall. Mir fiel langsam alles wieder ein, und ich schaute mich nach anderen um, doch ich fand keinen, nicht einmal meine Mutter. Ich wusste ja nicht, wie lange ich bewusstlos gewesen war, doch wenn sie vor mir wach geworden wären, hätten sie mich doch mitgenommen? Ich hatte keinen Plan, wusste nicht wo ich war, was ich tun sollte und am schlimmsten: Ich war allein! Dachte ich zumindest. Da fiel mir ein: Was war eigentlich passiert? Und was war mit dem Rest der Stadt? Ich holte schnell meine Sachen. Sie waren zum Glück noch dort, wo ich sie hingestellt hatte. Ich holte alles Unwichtige raus und schaute mich nach nützlichen Gegenständen um. Dann war ich bereit. Auch im Rest des Gebäudes waren keine Leute, und als ich endlich am Ausgang war sah ich zum ersten Mal die Stadt. Als ich heraus trat war ich sprachlos! Ich schaute mich um und fand mich wieder in der neuen Welt!






Kapitel 2: Das erste Abenteuer




Irgendwie war mir komisch, ob das an meinen Gefühlen oder meiner Lage lag wusste ich nicht. Wahrscheinlich war es alles zusammen. Doch ich musste mich erinnern! Was hatte meine Mutter noch mal zu mir gesagt? Ich setzte mich auf eine Bank, die vor dem Gebäude stand. Ein Sonnenstrahl berührte meine Hand. Da fiel es mir wieder ein. Sie meinte, ich würde die Wahrheit finden. Doch wie und worüber überhaupt? Langsam kamen die Erinnerungen zurück und mit ihnen auch die Tränen. Doch ich musste stark bleiben. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und fing an zu überlegen, was ich nun tun sollte. Ich holte mein Handy aus der Tasche. Wie erwartet war das Display gesplittet, aber nach ein paar Versuchen ging es an. Ich schaute aufs Display: Der Akku hatte wohl einen Schaden erlitten und hatte nur noch 15 Prozent. Ich hatte keinen Empfang, wahrscheinlich waren alle Masten kaputt, und schon nach wenigen Sekunden fing das Display auch noch an zu flackern. Ich machte es schnell aus, um im Notfall was auch immer zu machen.


Ich packte das Handy wieder in meinen Rucksack und schaute in die sonnenüberflutete und vollkommen überwucherte Stadt. Doch wenn ich die Wahrheit finde, kann ich das Experiment vielleicht rückgängig machen und meine Eltern und alle Anderen würden wiederkommen, wo immer sie auch sein mögen. Viele Gedanken waren in meinem Kopf, doch das war der eine, der größte, der wichtigste. Aber wahrscheinlich war all das Wunschdenken, oder doch nur ein Traum? Egal was es war, ich musste etwas tun.


Mein erster Stopp auf meinem Weg zur Wahrheit war mein Zuhause, wo ich mich noch ein wenig besser vorbereiten wollte. Auf dem Weg dorthin betrachtete ich erstaunt die Pflanzen, die nun überall wuchsen. Kurz vor meiner Tür dachte ich noch mal über etwas nach: Dafür dass meine Eltern mir nicht mal zugetraut hatten alleine nach Hause zu gehen, war dieses Abenteuer sogar für mich gruselig. Doch trotz meiner Angst öffnete ich die Tür. Als ich sie wieder schloss merkte ich nicht, dass ein Schatten um das benachbarte Haus schlich. Ich ging als erstes in mein Zimmer und zog mir ein wärmeres und, wie soll ich sagen, passenderes Outfit an. Eine schwarze Thermoleggins, ein passend dazu schwarzes Thermoshirt und eine Notfall-Ausrüstung, die ich mir notdürftig in meinen Rucksack packte. Dort drin war etwas zu Essen und Trinken, mein Schnitzmesser und meine Campingausrüstung und ein paar vielleicht nützliche Kleinigkeiten. Ich fühlte mich zwar bereit, doch wusste ich eben nicht wofür? Ich sah aus meinem Fenster und mein Blick fiel auf meine kleine Topfpflanze, die auf meiner Fensterbank stand. Sie war vertrocknet, und als ich sie berührte, um ihr Wasser zu geben, wuchs sie und wurde wieder grün. Die Blüte schoss empor und wurde so rot wie an dem Tag, als ich sie gekauft hatte. Im ersten Moment erschrak ich so sehr, dass ich den Topf fallen ließ. Meine Hände leuchteten kurz grün auf, aber dann war wieder alles ruhig. Doch als ich nach der Blume schauen wollte, die ein Stück gerollt war, war sie wieder so wie ich sie gefunden hatte. Also war es wohl doch nur Einbildung? Ich nahm vorsichtig den Topf, der zum Glück keinen Schaden erlitten hatte, vom Boden und stellte ihn mit der Blume wieder auf die Fensterbank zurück.


Als ich aus dem Fenster in unseren Garten blickte, sah ich einen Schatten durch den Garten auf unser Haus zulaufen, und ich war mir sicher, dass er von einem Menschen stammte. Ich bekam eine Gänsehaut. Meinen Rucksack hatte ich zum Glück mit in mein Zimmer genommen, so konnte ich ihn mir direkt schnappen und musste nicht nach ihm suchen. Außerdem nahm ich noch einen größeren Stock mit, den ich zum schnitzen in meinem Zimmer lagerte, für meine Verteidigung, gegen das was dort unten rum schlich. Ich wusste ja nicht, wer oder was das war. Vielleicht war es meine Mutter oder jemand anderes aus dem Labor, der mir erklären konnte was hier geschah? Doch wenn nicht war ja die Frage, wer hier sonst herum schleichen sollte und warum überhaupt? Ich hatte noch gar nicht darüber nachgedacht, was mit den ganzen Tieren geschehen war. Was war wenn sie sich auch verändert hatten? „Doch egal, was das auch sein mag, ich bin bewaffnet und kann mich wehren!“ Denke ich zumindest. Also machte ich mich langsam und leise auf den Weg runter in den Garten. Doch als ich die Treppe hinunter schlich, knarzte sie auf einmal schrecklich! Ich erschrak und zuckte zusammen. Ich ging langsam weiter, und in der Küche angekommen schaute ich aus dem Fenster und sah rein gar nichts! Aber ich war mir so sicher, dass ich etwas gesehen hatte. Da hörte ich plötzlich aus dem Wohnzimmer ein Scheppern, was so klang als wäre etwas runter gefallen. War der Schatten etwa im Haus? Ich ging zur Tür, die in den Garten führte - sie war ein kleines Stückchen geöffnet. Die Öffnung war gerade so weit, dass ich durch gepasst hätte. Also ging ich leise weiter ins Wohnzimmer. Ich merkte, dass meine Hände zitterten. Ich hatte Angst. Im Wohnzimmer angekommen sah ich, dass irgend etwas anders war. Die Stifte auf dem Tisch waren herunter gefallen, und mein Block lag daneben. Ich sah mich um und rief mit ängstlicher Stimme: „Wer ist da?“ Ich hörte ein Geräusch, was von hinter dem Sofa kam. Das war mir nun wirklich zu viel! Ich rannte, ich rannte so schnell mich meine Beine nur tragen konnten. Ich riss die Tür auf und rannte die Straße hinunter. Da hörte ich jemanden hinter mir rufen: „Warte! Ich brauche deine Hilfe, ich will dir nichts tun!“ Langsam blieb ich stehen und verstand. Ich drehte mich um. Hinter mir stand das rothaarige Mädchen aus dem Labor und blickte mich nett, aber vollkommen außer Atem an.



Ich hoffe der Anfang meiner Geschichte hat dir gefallen, wenn ja
bleib dran, bald geht es weiter...
Bild: CC0 Unsplash

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