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Wie Rechtsextreme Begriffe ĂŒbernehmen und versteckt ihre Ideologie zeigen... đŸ€”đŸ‡©đŸ‡Ș&💙

Von Jannis


Via CC BY-4.0 by PantheraLeo1359531

"Remigration" - Was ist das?

Die meisten wĂŒrden auf diese Frage wahrscheinlich mit "das ist etwas Ähnliches - wie Menschen abschieben" reagieren. Stimmt das?

Bei Wikipedia heißt es:

"Remigration bezeichnet den Teil eines Migrationsprozesses, bei dem Menschen nach einer betrĂ€chtlichen Zeitspanne in einem anderen Land oder einer anderen Region in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurĂŒckkehren. Remigration findet in umgekehrter Richtung zur vorangegangenen Migration statt."

Aber das Wort "Remigration" wird auch in einem anderen Sinn benutzt und bekommt dadurch eine ganz andere Bedeutung. Und durch die Correctiv Recherche weiß es jetzt auch ziemlich jede:r in Deutschland. Wahrscheinlich wurde es deswegen auch zum "Unwort des Jahres 2023" gewĂ€hlt:

"Das Eindringen und die Verbreitung des vermeintlich harmlosen und beschönigenden Ausdrucks in den allgemeinen Sprachgebrauch fĂŒhrt zu einer Verschiebung des migrationspolitischen Diskurses in Richtung einer Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Positionen"

Aber es gibt noch viele andere vermeintlich harmlose Begriffe, wie auch Chiffren, Codewörter, die von Rechtsextremen, genutzt und umgedeutet werden. Ich habe fĂŒr euch einmal 10 besonders hĂ€ufig genutzte Begriffe recherchiert.

"Man nutzt einen Begriff, der in nicht-rechten Kontexten verwendet wird, und deutet ihn um..."

10 besonders hÀufig genutzte Begriffe


  1. Remigration "Remigration" kommt ursprĂŒnglich aus der Sozialwissenschaft und steht fĂŒr den Prozess der RĂŒckkehr in ein Land, aus dem man bereits ausgewandert ist, man remigriert also. Viele Rechtsextreme nutzen diesen Begriff als Euphemismus, also Verharmlosung, um den "unschönen Begriff" der "Massendeportation" der als "kulturell fremden" wahrgenommenen Menschen zu umgehen.

(Constanze Spieß)




2. Globalisten    


"Globalisten" wird von vielen Rechtsextremen als Codewort fĂŒr "die Juden"verwendet, die in Anlehnung an die Nationalsozialistische Propaganda als eine Globale Elite versucht Nationalstaaten und die Westliche Kultur durch z.B. Zuwanderung und die dadurch einhergehende "Umvolkung" zu zerstören. Diese “Völker” werden im Gegensatz zu den “Globalisten” als verwurzelt und organisch gewachsen betrachtet.



"Umvolkung" ist ein von den Nazis erfundener Begriff fĂŒr die Ersetzung der Bevölkerung Osteuropas durch Deutsche (Germanisierung deutschfreundlicher Bevölkerungsgruppen ) Vertreibung fremder Volksgruppen in den eroberten Ostgebieten. Heutzutage wird der Begriff von Rechtspopulisten allerdings fĂŒr die angebliche Ersetzung der Bevölkerung Europas durch Menschen anderer Kulturen durch "Massenmigration" (FlĂŒchtlingspolitik) benutzt. Eine multikulturelle Gesellschaft wird hier fĂŒr die Abschaffung einer "eigenen Kultur" verantwortlich gemacht. Das Landesamt fĂŒr Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen erkennt darin auch einen Begriff, der von Rechtsextremisten verwendet wird, „um ihre fremdenfeindlichen Positionen zu verbreiten".



Wenn man unter einem Video den Begriff Kugelschreiber liest, denkt man sich in den meisten FĂ€llen nichts dabei. Kugelschreiber ist allerdings in rechten Kreisen ein Codewort fĂŒr die Leugnung des Holocausts. Das kommt von der ErzĂ€hlung, das ein Teil des Tagebuches der Anne Frank einer sich wĂ€hrend des Holocaust versteckenden JĂŒdin, mit dem erst Jahre spĂ€ter in der weiten Bevölkerung beliebt werdenden Kugelschreiber geschrieben sei und damit vom Westen erfunden worden wĂ€re. Diese Theorie wurde allerdings schon mehrfach widerlegt.


Gleichschaltung ist ein ursprĂŒnglich aus der Elektrotechnik stammender Begriff. Er wurde vor allem im Kontext von Schienen, die alle in die gleiche Richtung geschaltet werden, genutzt. Doch der Begriff wurde schnell zum Euphemismus fĂŒr die Eingliederung der gesamten Gesellschaft in eine Diktatur. Und wurde mit dem Gesetz zur Gleichschaltung der LĂ€nder mit dem Deutschen Reich von 1933 zum offizellen Titel der MachtĂŒbername der Nazis.


Zum Unwort des Jahres 2015: Gutmensch stammt aus einem Sprachkritischen Buch dem Wörterbuch des Gutmenschen, in dem der Gutmensch als besonders empfindsamer Menschen beschrieben wird:


"Die Besorgten [sehen sich] als geduldige, aber empfindsame Menschen. Sie verspĂŒren innerlich intensiv, was von außen her auf sie einwirkt. Aber zugleich kĂŒmmern sie sich aktiv um das Leben außerhalb. HĂ€ufiger als der Durchschnitt machen sie sich Sorgen um andere Menschen. [
] Wichtig ist ihnen aber auch ihre Innenwelt."

Rechtspopulisten/Rechstextreme erkennen in ihm zu moralisierende und naive Menschen, die Entscheidungen aus reinem Guten willen treffen. Diesen Menschen ginge es vor allem um Anerkennung ihres Sozialen Umfeldes und um eine Position der moralischen Überlegenheit.


FrĂŒhsexualisierung ist ein ursprĂŒnglich aus der Psychologie des FrĂŒhen 20. Jahrhunderts stammender Begriff, bei dem es um die Frage geht, in welchem Alter welches Maß an sexueller AufklĂ€rung fĂŒr Kinder gut ist. Heutzutage wird der Begriff als Kampfbegriff in der rechtsextremen/rechtspopulistischen Szene verwendet, um AufklĂ€rung ĂŒber HomosexuallitĂ€t als fĂŒr Kinder verstörend zu verklĂ€ren. Mit dem Begriff wird Homosexuellen, Transpersonen oder anderen Queeren Personen oft auch PĂ€dophilie vorgeworfen und der Versuch Kinder "schwul zu machen".


"Schuldkult" ist ein Begriff von Nazis fĂŒr Nazis er entstand in 1980igern als verĂ€chtliche Beschreibung fĂŒr die Deutsche Erinnerungskultur im Bezug auf den Nationalsozialismus und seine Verbrechen. Seine Nutzung schmĂ€lert das Gedenken an die Opfer des Holocaust und der Gewaltherrschaft der Nazis indem es das Gedenken als UnterdrĂŒckung Deutschlands durch eine Angebliche Kollektivschuld der folgenden Generationen verschrien.


Der Begriff "Asylindustrie" stellt wohltĂ€tige Vereine und die Regierung so dar, als ob sie FlĂŒchtlingen nur aus Geldgier helfen oder nur aus Geldgier die Einreise erlauben. Vor allem wohltĂ€tigen Vereinen wird von Verschwörungstheoretikern vorgeworfen Asylverfahren zu verlĂ€ngern, um lĂ€nger staatliche ZuschĂŒsse zu erhalten und daran zu verdienen. Dadurch wird Personen eine persönliche Motivation fĂŒr das Helfen von FlĂŒchtlingen genommen, um sie stattdessen als gierige Menschen, denen das Leiden der Menschen eigentlich egal ist, zu markieren.


Mit Genderwahn fassen Rechtsextreme die Ablehnung völkischer Geschlechterrollen, die sie als naturgegeben und fĂŒr gesellschaftliche StabilitĂ€t nötig ansieht. Dadurch bezeichnen sie den Feminismus und LGBTQIA+Bewegung als fĂŒr die Gesellschaft zerstörerisch, "wahnsinnig" und unnatĂŒrlich.

Durch die Erfindung des Kampfbegriffs "Genderismus" wurde der an sich nĂŒchterne Terminus "Gender" zum Kernelement einer Ideologie erklĂ€rt. Rechte und extrem rechte Akteure versuchen so, den Begriff "Gender" seines ursprĂŒnglichen Inhalts zu entleeren und zu einer Bedrohung fĂŒr das friedliche Zusammenleben und die gesamte Gesellschaft umzudeuten.

Sprache beeinflusst das Denken: Linguist*innen, Hirnforscher*innen und Psycholog*innen sind sich einig, dass Worte unsere Wahrnehmung sowie unser Denken und Handeln entscheidend prĂ€gen. Die Neue Rechte betreibt mit der bewussten Sprachnutzung aktive Politik. Ihre Rhetorik ist hasserfĂŒllt, ihr Umgangston rau und bösartig. Und der Ton wird kontinuierlich schĂ€rfer. Es ist eine Sprache der Diskriminierung.

Indem manche dieser Begriffe in die allgemeinen Debatten eingefĂŒhrt werden und immer öfter auch von Unionspolitikern benutzt werden, schaffen es Rechsextreme, die Debatte - indem sie die Begriffe ĂŒber und mit denen diskutiert wird - zu bestimmen. Denn bereits die Nationalsozialisten wussten ganz genau, dass Sprache das Denken beeinflusst und deswegen entscheidend die Meinung eines Menschen manipulieren kann. Also muss konsequent ĂŒber solche Begriffe und ihre Bedeutung aufgeklĂ€rt werden, um sie daran zu hindern, sich im Mainstream zu etablieren.


Weitere Infos/Links:
CC BY 4.0 Unsplash/Domingo Alvarez E















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