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Wie weit bin ich bereit für meine Freiheit zu gehen?

Aktualisiert: 26. Okt. 2023

von Nina (Q2)


Foto: CC0 Unsplash


Freiheit kann vielerlei verstanden werden

Für den einen ist es am offenen Autofenster zu sitzen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Für den anderen ist es einen Berg erklommen zu haben und nun die fantastische Aussicht genießen zu können.

Es kann aber auch Freiheit sein, wenn man reisen darf, wohin man will und tragen kann, was man will, ohne Konsequenzen zu fürchten.


Im Iran ist diese Freiheit beschränkt.

Im September 2022 gelangte die Journalistin Mahsa Amini in Haft. Sie trug ihren Hijab nicht „richtig“ und wurde von der Sittenpolizei in Gewahrsam genommen. Am 16. September 2022 verstarb die Frau in dieser Haft.


Der Tod der Journalistin löste landesweite Proteste gegen die autoritäre Regierung des Staates aus. Menschen jedes Alters und Geschlecht gehen seitdem auf die Straßen.

Unter dem Slogan „Frauen, Leben, Freiheit“ kämpfen sie für gleiche Rechte für Frauen und gegen diskriminierende Rechte und Gesetzte auf dem Arbeitsmarkt und im Alltagsleben.


Mehr als 500 Menschen sind seitdem zu Tode gekommen. Manche wurden von Sicherheitskräften auf den Straßen getötet aber auch durch Todesurteile aufgrund ihrer Teilnahme an den Protesten.

Diese Todesurteile wurden nach fälschlichen Gerichtsurteilen vollzogen, bloß wegen einer Teilnahme an den Protesten gegen die Regierung.


Der Gedanke, aufgrund eines Protestes zum Tode verurteilt zu werden ist mir fremd.

Festnahmen, ja. Aber kein Todesurteil.

In Deutschland scheiterte am 02. Oktober 1952 der letzte Versuch, die Todesstrafe wieder einzuführen. Artikel 102 des Grundgesetzes besagt eindeutig: „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“


Doch im Iran besitzen die Protestierenden diese Sicherheit nicht. Die autokratische Regierung hat solche Gesetze nicht. Und spätestens nach den ersten vollzogenen Urteilen wird klar gewesen sein, dass eine Teilnahme zum eigenen Tod führen kann.

Die Menschen sind bereit zu sterben.


Für etwas zu sterben ist eine machtvolle Hingabe wie ich finde.

Klar, zum einen kann man ein Märtyrer sein, zum andern wird man Dinge zurücklassen, die Chance verlieren ein Leben zu leben. Man lässt Menschen zurück, die einem was bedeuten und denen man etwas bedeutet.

Und trotzdem scheint ihr eigener Tod ihnen kein Limit zu sein.


Die Frage, die man sich stellen sollte, ist auch, ob die Sache es wert ist, dafür zu sterben.

In diesem Fall im Iran würde ich sagen ja, als iranische Frau.

Für Gleichberechtigung zu kämpfen und eigene Rechte ist der erste Schritt um für weitere Freiheiten zu kämpfen.

Diese Proteste vereinen auch die Menschen. Sie vereinen die Menschen gegen die Regierung und erwecken die Aufmerksamkeit der Welt.


Seitdem die Hinrichtungen publik wurden, versuchen verschiedene Regierungen auf den Iran einzuwirken, dass diese aufhören, ihre eigene Bevölkerung zu töten.


Ich weiß jedoch nicht, ob ich bereit wäre zu sterben, als eine Frau in Deutschland.

Ich bin jung, habe noch ein Leben vor mir.

In Deutschland ist eine Hinrichtung wegen einer Teilnahme an einem Protest keine Option. Hier sind solche Dinge durch Gesetze reguliert. Gerichte sind hier unabhängig von der Regierung und sollen neutral Situationen betrachten und dann nach diesen Gesetzen handeln.


Ich habe tiefsten Respekt vor den Menschen, die bereit sind ihr Leben zu geben. Ob ich bereit wäre für Freiheit zu sterben, kommt für mich vor allem auf die Situation und Umstände an.


Meine erste Reaktion wäre nein, ich wäre nicht bereit für meine Freiheit zu sterben. Was bringt mir der Kampf für eine Freiheit, die ich nie erleben werde?


Nur Umstände ändern sich, Meinungen ändern sich, erweitern sich.

Deutschland ist geprägt durch die eigene Vergangenheit.

Aber das Land ist wandlungsfähig, zum Besseren oder zum Schlechteren.


Wenn diese Umstände sich ändern, kann es passieren, dass eine Situation meine Hingabe weckt und meine Teilnahme an den Protesten für mich zu einer Frage von Freiheit oder keine Freiheit, vielleicht auch Leben und Tod sein wird.

Es kommt auf Umstände an, auf das Ziel auf die Mittel, vielleicht auch auf die Erfolgschancen der Proteste.


Doch, wie weit wirst DU bereit sein für deine Freiheit zu gehen? Auch zu sterben?

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