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5 Gründe gegen einen Dresscode...

von Gina (Q2)


Mit steigenden Temperaturen werden wie jeden Sommer die Diskussionen um eine Kleiderordnung an Schulen lauter. Oftmals werden aber unschlüssige Argumente verwendet.


1. „Wir wollen eine professionelle Arbeitsumgebung“

Dieses Argument ist an sich verständlich, jedoch ist der Kontext oft sinnfrei. Kleiderordnungen bestimmen oftmals nur, wie lang Klamotten sein sollen und wie viel sie bedecken sollen, da kurze Klamotten „unprofessionell“ (Bundeselterrat: "lottrig") seien, so Befürworter:innen einer Kleiderordnung.

Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass andere Klamotten, die der Kleiderordnung entsprechen, trotzdem als unprofessionell gelten können, wie beispielsweise Jogginghosen, gegen die man selten Einschränkungen hört. Es ist sowieso unklar, was genau eine professionelle Kleidung sein sollen - eine Schuluniform? Nur Jeanshosen? Oftmals fehlt es an einer genaueren Definition.


2. „Das lenkt Jungs ab!“

Dieses Argument ist nicht nur unverständlich, sondern auch in größerem Kontext schädlich. Zum einen gibt es keine wirklichen Nachweise, dass dem tatsächlich so ist. Zum anderen werden Mädchen dafür verantwortlich gemacht, dass Jungen sich nicht konzentrieren können, allein dadurch, dass sie im Raum sind.

Sollen Mädchen dann nach Hause gehen und sich umziehen und somit Unterricht verpassen? Damit würde die Bildung des Mädchens der mangelnden Konzentration eines Jungen untergeordnet werden. Anstatt Mädchen zu verändern, damit sie die Jungs nicht stören, sollte man Jungs beibringen, sich zu konzentrieren - unabhängig von den Klamotten, die Leute im Raum anhaben.

Bei Mädchen, die Mädchen mögen, scheint das nämlich kein Problem zu sein. Konzentration ist ja eh etwas, das man in der Schule lernen sollte. Und vermutlich sind die Leute abgelenkter von schreienden Unterstufenschüler:innen auf dem Schulhof oder der Hitze, als von Klamotten.

Zudem wird die Kleidungswahl des Mädchens verantwortlich gemacht. Im Grunde sagt man also, dass Mädchen sich „angemessen“ anziehen sollen, sonst sind sie selber Schuld, wenn...

Genau dieses Argument hört man oft im Falle von sexuellen Übergriffen. Und das ist extrem schädlich, da es dem Opfer die Schuld gibt, anstatt den Täter verantwortlich zu machen. Außerdem wird dadurch die Sexualisierung des weiblichen Körpers bestärkt:

Wieso lenkt eine nackte Schulter, ein sichtbarer Bauch oder ein Oberschenkel denn überhaupt ab? Es sind völlig "normale" Körperteile eines Menschen und niemand beschwert sich, wenn Männer/Jungen mehr Haut zeigen. Für eine Schule ist es doch wünschenswert, Kinder über all diese Dinge aufzuklären, sie vor Vorurteilen zu schützen und entspannter mit unnötigen Sexualisierungen umzugehen.


3. „Das lenkt Lehrkräfte ab!“

Zwar ist das Argument im Grunde das gleiche wie das davor, allerdings möchte ich dazu noch ausdrücklich etwas gesagt haben. Ich persönlich finde das Argument am gruseligsten von allen. Wenn Lehrkräfte von minderjährigen Schüler:innen abgelenkt werden, zu denen sie darüber hinaus noch in einem professionellem Arbeitsverhältnis stehen, treffen alle oben genannten Punkte zu. Sollte man sich ernsthafte Sorgen um die Schüler:innen machen? Ich finde, Leute, die so denken, sollte nicht erlaubt werden, Kinder und Jugendliche zu unterrichten.


4. „Es ist doch keine große Einschränkungen, warum das ganze Drama?“

Doch! Nur weil Einzelpersonen nicht betroffen sind, heißt es nicht, dass es nicht für viele eine Einschränkung bedeutet. Und selbst wenn nicht, spielt das keine Rolle.

Die persönliche Freiheit wird eingeschränkt, und Kindern und Jugendlichen wird eine sexistische Nachricht vermittelt (siehe Punkt zwei). Es geht nicht nur darum, dass Schülerinnen warm wird und die Zahl der Hitzeschläge steigen könnte, sondern es geht um das Prinzip. Darum ist es natürlich wichtig, eine mögliche Kleiderordnung zu besprechen, aber man sollte dabei auch das große Ganze vor Augen zu haben.


5. „Aber am EMA wird das ja nicht so extrem umgesetzt.“

Das EMA hat eine Kleiderordnung für den Sportunterricht, wo die Kleidungswahl eingeschränkt wird - und das in einem Fach, wo man so oder so ins Schwitzen kommt und sich eigentlich nur leicht bekleiden möchte.

Zudem ist eine Kleiderordnung im Gespräch, wo die Lehrkraft jemanden, den sie für „unprofessionell bekleidet“ befindet, zur Schulleitung schicken kann, die dann das finale Urteil hat.

Diese Ordnung fände ich allerdings noch problematischer.

Es gibt keine klaren Regeln, an denen man sich orientieren kann, sondern eine einzige Person hat das Entscheidungsrecht und Menschen urteilen subjektiv, ob sie es wollen oder nicht. Somit wird das problematische Prinzip einer Kleiderordnung auch noch ungerecht umgesetzt.


Letztlich gibt es keine „richtige“ Meinung zu einer Kleiderordnung. Es gibt für alle Seiten Argumente.

Jedoch müssen wir darauf achten, dass die Argumente auch wirklich stichhaltig sind. Nur weil man persönlich nicht dadurch eingeschränkt wird, heißt es nicht, dass es keine schlechte Idee ist, und es muss verhindert werden, dass Debatten über Kleiderordnungen in eine sexistische Richtung abschweifen. Am Ende muss aber jede:r für sich selbst entscheiden, wie man zu der Problematik steht.



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