Demokratie live erleben!
- EMA So.Wie?So!

- vor 4 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
So.Wie?So! besucht den Düsseldorfer Landtag NRW
Wie arbeitet ein Landesparlament eigentlich im Alltag? Wie laufen Debatten im Plenarsaal ab? Diesen Fragen konnte unsere Redaktion beim Besuch im Landtag Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf nachgehen. Gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern aus Nordrhein-Westfalen waren wir als Preisträger des Internationalen Demokratiepreises Bonn eingeladen. Neben der Teilnahme an einer Plenarsitzung konnten wir uns auch persönlich mit einer Landtagsabgeordneten austauschen und andere spannende Demokratieprojekte kennenlernen.
Ein Bericht von Emilia Nill
Anreise und erste Gespräche - "Wählen ist ein großes Geschenk der Demokratie"

Am 28. Januar 2026 startete unser Ausflug an der Schule. Von dort liefen wir zum Hauptbahnhof und fuhren nach Ramersdorf. Dort wurden wir vom ehemaligen Oberbürgermeister Bonns ( 2009 bis 2015), Jürgen Nimptsch, Prof. Dorothee Dzwonnek, Vorsitzende des Internationalen Demokratiepreises Bonn, sowie von Prof. Hartmut Ihne, dem ehemaligen Präsidenten der Hochschule-Bonn-Rhein-Sieg, empfangen und machten uns mit einem Bus der Telekom Baskets auf die einstündige Fahrt nach Düsseldorf.
Unser Besuch im Landtag wurde durch den Internationalen Demokratiepreis organisiert, der Projekte von Schülerinnen und Schülern auszeichnet, die sich mit demokratischen Themen beschäftigen.
Prof. Dorothee Dzwonnek erklärte uns gleich zu Beginn der Fahrt, warum ein Besuch im Parlament wichtig ist:
„Der Landtag ist das Herzstück unserer parlamentarischen Demokratie. Hier werden Gesetze beschlossen, die Regierung kontrolliert und politische Entscheidungen für das Land getroffen.“
Gerade deshalb sei es wichtig, dass junge Menschen parlamentarische Arbeit einmal selbst erleben.
„Wählen zu können ist ein großes Geschenk unserer Demokratie“, betonte sie.
"Wählen zu können ist ein großes Geschenk unserer Demokratie"
Auch Prof. Ihne sprach mit uns über demokratische Prozesse und darüber, dass Konflikte und unterschiedliche Interessen zur Demokratie dazugehören.
„Die Parlamente sind die Orte, wo wir uns austauschen. Interessenkonflikte sind die Grundlage jeder Demokratie.“
Ankunft im Landtag

Nach unserer Ankunft hatten wir zunächst noch etwas Zeit und einige Schüler*innen nutzten die Zeit, um sich die nähere Umgebung anzuschauen.
Bevor wir das Gebäude betreten konnten, mussten wir – ähnlich wie an einem Flughafen – durch einen Security-Check. Anschließend erhielten wir Besucherausweise und wurden von einer Mitarbeiterin des Landtags begrüßt. Wir wurden zunächst in einen Fraktionssaal geführt, der aktuell von der AfD genutzt wird, und erhielten dort eine Einführung in die Arbeits des Landtags.
Der Besucherdienst erklärte uns auch die Symbolik des Gebäudes.
„Der Landtag wird auch das Haus der Bürgerinnen und Bürger genannt. Die Idee dahinter ist, dass man von außen von der Rheinuferpromenade reinschauen kann und den Abgeordneten auf die Finger schauen kann.“ (Zitat: Einführung Besucherdienst)
„Ein Abgeordneter kann nicht alles machen. Deshalb teilen sich die Abgeordneten die Arbeit in verschiedenen Ausschüssen auf.“
Wir erfuhren etwas über die Architektur und Struktur des Parlaments. So findet ein großer Teil der politischen Arbeit nicht nur im Plenarsaal statt, sondern in den Fachausschüssen, in denen sich Abgeordnete auf bestimmte Themen spezialisieren.
Einblick in eine Plenardebatte
Anschließend wurden wir auf die Besuchertribüne des Plenarsaals geführt. Von dort konnten wir eine laufende Sitzung des Landtags verfolgen. Auf der Tagesordnung stand eine Debatte über Jugendkriminalität – ein Thema, das auch viele Schülerinnen und Schüler direkt betrifft.
Die Debatte machte deutlich, wie unterschiedlich Parteien politische Probleme bewerten. Während einige Redner strengere Maßnahmen gegen Intensivtäter forderten, betonten andere stärker soziale Ursachen von Kriminalität und die Bedeutung von Prävention.
Zwischenrufe, Applaus und Reaktionen aus den Fraktionen machten deutlich, dass politische Debatten im Parlament durchaus lebhaft sein können.
Gespräch mit einer Landtagsabgeordneten

Im Anschluss an die Plenarsitzung trafen wir im Landespresseraum Dr. Julia Höller, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Bonn.
Sie erklärte uns, wie politische Arbeit im Landtag organisiert ist und warum Landespolitik häufig unterschätzt wird.
Viele Entscheidungen, die den Alltag der Menschen betreffen – etwa in den Bereichen Schule, Polizei oder Katastrophenschutz – würden auf der Landesebene getroffen.
Im Gespräch betonte sie außerdem, dass politische Entscheidungen oft durch Diskussionen und Kompromisse entstehen.
„Kompromisse gehören zur Demokratie dazu. Man muss miteinander reden und Lösungen finden, die viele Menschen mittragen können.“
Austausch mit anderen Schülerinnen und Schülern

Neben unserer Redaktion waren an diesem Tag auch viele andere Schülerinnen und Schüler aus Nordrhein-Westfalen eingeladen, die mit dem Internationalen Demokratiepreis ausgezeichnet wurden. Wir nutzten die Gelegenheit, einige von ihnen zu interviewen.
Amelia Voss und Rusi Todorinov vom Städtischen Gymnasium Hennef erzählten uns von ihrem Projekt. Sie hatten einen Podcast produziert, in dem Schülerinnen und Schüler mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Parteien sprechen konnten – ähnlich wie bei einem politischen „Speed-Dating“.
Auch Luka Titberidze vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium stellte sein Projekt vor. Gemeinsam mit einem Mitschüler hatte er ein Video produziert, das Jugendliche dazu motivieren soll, wählen zu gehen.
„Wir wollten zeigen, was für ein Privileg es ist, wählen zu dürfen“, erklärte er.
Viele der Schülerinnen und Schüler betonten, dass der Besuch im Landtag ihnen einen neuen Einblick in politische Prozesse gegeben habe.
Interview-Stimmen aus dem Landtag
Amelia Voss (SG Hennef):
„Man hat sehr viele neue Sachen gelernt, die man sonst im Unterricht so nicht mitbekommt.“
Luka Titberidze (Carl-von-Ossietzky-Gymnasium):
„Es ist ein großes Privileg, wählen zu dürfen. In vielen Ländern haben Menschen diese Möglichkeit gar nicht.“
Dr. Julia Höller (Landtagsabgeordnete der Grünen):
„Politik bedeutet, unterschiedliche Positionen zusammenzubringen und Kompromisse zu finden.“
Abschluss des Besuchs
Zum Abschluss unseres Besuchs gingen wir noch in die Cafeteria des Landtags und aßen gemeinsam den „Landtagskuchen“. Dabei hatten wir weitere Gelegenheit, mit Schülerinnen
und Schülern anderer Schulen ins Gespräch zu kommen.
Anschließend ging es mit dem Bus zurück nach Ramersdorf und wir verabschiedeten uns von der Besuchergruppe und den Organisator*innen Prof. Dzwonnek, Prof. Ihne und Jürgen Nimptsch. Von dort aus ging es schließlich zurück Nach Hause.
Der Besuch im Landtag hat uns gezeigt, wie parlamentarische Demokratie im Alltag funktioniert – und wie wichtig es ist, dass sich junge Menschen für politische Themen interessieren und ihre Stimme einbringen.
Vielen Dank an die Organisatoren des Internationalen Demokratiepreises für diesen spannenden und erlebnisreichen Tag.
7 Fakten über den Landtag NRW
Was wir Wissenswertes über den Landtag erfahren haben
1. Der Landtag wird auch „Haus der Bürgerinnen und Bürger“ genannt.
Das Gebäude ist bewusst offen gestaltet – mit viel Glas als Symbol für Transparenz und demokratische Kontrolle.
2. Die Architektur soll Diskussion fördern.
Die runde Gestaltung des Plenarsaals steht symbolisch für eine lebendige Debattenkultur, in der sich niemand „in die Ecke stellen“ kann.
3. Im Landtag sitzen z.Z. 195 Abgeordnete.
Sie vertreten die Interessen der rund 18 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen.
4. Ein Parlament arbeitet nicht nur im Plenarsaal.
Ein großer Teil der politischen Arbeit findet in Fachausschüssen statt, in denen Gesetze vorbereitet werden.
5. Es gibt z.Z. 21 Fachausschüsse.
Diese beschäftigen sich mit Themen wie Schule, Gesundheit, Soziales oder Wirtschaft. Die Ausschüsse tagen sehr häufig. Zusammen kommen sie auf bis zu 600 Sitzungen pro Jahr.
6. Zur Arbeit der Abgeordneten
Abgeordnete müssen sich spezialisieren. Die Vielzahl an Themen macht es unmöglich, alles gleichzeitig zu bearbeiten – deshalb konzentrieren sich Politiker auf bestimmte Fachgebiete. Ihre politische Arbeit hat sich verändert. Heute arbeiten in vielen Abgeordnetenbüros mehrere Mitarbeiter, zum Beispiel für Recherche oder Social-Media-Kommunikation. Sitzungswochen und Wahlkreisarbeit wechseln sich ab. In Sitzungswochen finden Plenar- und Ausschusssitzungen statt. In der übrigen Zeit arbeiten Abgeordnete vor allem in ihren Wahlkreisen.
7. Der Landtag wächst weiter.
Da immer mehr Fraktionen und Mitarbeitende Platz benötigen, sind Erweiterungen und zusätzliche Bürogebäude notwendig.






















